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Institut für Kunstgeschichte Innsbruck
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VENCHIARUTTI , Johann Domenico

 

1. VENCHIARUTTI, Johann Domenico
Venchutti

2. BERUFSBEZEICHNUNG

Baumeister, Architekt

3. BIOGRAPHIE

Johann Domenico Venchiarutti stammt aus Gemona. Er war zwischen 1829 und 1860 im Raum Klagenfurt tätig. Er galt als
viel beschäftigter und bewährter Architekt und Baumeister. Die architektonischen Werke Venchiaruttis zeigen ein empfindliches Gespür für Flächengestaltungen mit sparsamen Dekor und noblen Maßverhältnissen (Herbert
Schindler ²1973, 219).
Typisch für ihn sind Putzbänder um die Fenster (Anneliese  Keilhauer 1988, 26; Siegfried Hartwagner 1980, 231).

 

4. FAMILIEN-, FREUNDES- UND AUFTRAGGEBERKREIS

Zum  Familien- und Freundeskreis gibt es keine näheren Angaben.
Einer seiner Auftraggeber war der Tuchfabrikant Thomas Ritter von Moro. Weitere Auftraggeber sind nicht bekannt.

 
5. WERKE (KÄRNTEN)

5.1 Hermagor
5.1.1 Marienkapelle im ehemaligen Friedhof, geweiht 1859
Vermutlicher Baumeister dieser Grabkapelle für Johann Moro war Johann Domenico Venchiarutti. Die Kapelle ist im spätklassizistischen Stil errichtet worden und zeigt eine giebelbekrönte Säulenfront (Dehio Kärnten 1981, 226). Dekorationsmalereien m Inneren. Grabkapelle der Familie Frenzl seit 1880.
An die Pfarrkirche St. Hermagor und Fortnat schließt eine Kapelle an. Ein Flügelalter dort im Schrein trägt eine Maria mit
Kind aus einer Villacher Werkstatt. Langhaus-, Chor- und Kapellengewölbe zieren Malereien, die Wände des Chores
außerdem – jetzt fragmentarisch – Szenen einer Heiligenlegende und einen Apostelzyklus.

5.1.2 Untermöschach (Gemeinde Hermagor-Pressegger See, Bez. Hermagor)
Schloss Lerchenhof: Stattliches, spätklassizistisches Herrenhaus, 1848 – 1851 im Auftrag des Julius von Wodley
(Kammerherr) möglicherweise von Johann Domenico Venchiarrutti erbaut; dreigeschossiges Biedermeierschloss, sieben-achsige Front, Bekrönung durch einen Dreiecksgiebel.

5.2 Klagenfurt
Biedermeierlich-klassizistische Bauten im Zuge der Erweiterung der Vorstädte - nach Sprengung des Festungsgürtels
1809/10.

5.2.1 Bahnhofstraße
Auf der Südseite, neben dem dreigeschossigen Bau Nr. 35, befand sich ein Gebäude (Realschule), das 1858 -1860 entstand und als beachtliches letztes Werk Domenico Venchiaruttis galt. Leider wurde es 1955 abgerissen und stattdessen ein Hochhaus errichtet (Siegfried Hartwagner 1980, 69).

5.2.2 Neufassadierung des Hauses Nr. 14 in der Beethovenstraße, 1839
Schauseiten im Empiredekor: 3-teiliges, durch vortretende Pfeiler betontes Portal mit klassizistischem Balkongitter.
Mittelrisalit durch vier kannelierte ionische Pilaster hervorgehoben; Palmettenfries zwischen den oberen Geschossen.

5.2.3 Richard-Wagner-Straße Nr. 20
Dieses Gebäude wurde 1848 von Ingenieur – Hauptmann Scheidlin geplant, dann aber in reduzierter Form um 1850 von Domenico Venchiarutti gebaut. Das „Defensivwerk“ oder Festung genannt,  war kasemattenartig angelegt; seine vier lang gestreckten und niedrigen Gebäudeteile umgaben einen 10 x 10m großen Hof. 1856 wurden in Folge einer Zweckumwidmung des Gebäudes (Stiftung des Ferdinand Kaufmanns für verwahrloste Jugendliche) Fensterausbrüche vorgenommen. Seit dem zweiten Weltkrieg ist in der ehemaligen Festung eine Volksschule untergebracht (Siegfried Hartwagner 1980, 245).

5.2.4 Lourdes Kapelle Ursulinengasse Nr. 1
Freistehender klassizistischer Kapellenbau im Klostergarten, errichtet 1845 bis 1846

5.2.5 Obeliskenbrunnen, Landhaushof
Anstelle des alten Löwenbrunnens 1853 von Christoph Cragnolino in rotem Marmor nach Entwurf (1830) von Domenico Venchiarutti errichtet. Auf schmalem Pfeiler über dreistufigem Sockel (an der Rückseite bez. 1833) ein von Kugeln
getragener Obelisk. Maske mit Eisenrohr unter Relief des Landeswappens, rundes Marmorbecken auf kanneliertem Sockel.

5.2.6 Fluderbrunnen, Schillerpark, Klagenfurt
1859 von Domenico Venchiarutti gestaltet. Brunnen aus Töschlinger Marmor mit ägyptischem Wassertor und wasserspeiender Maske von Josef Kassin. Fluder = brunnenkastenartige Bassins mit Treppen als Einstiege zum Feuerbach bei dem die Frauen die Wäsche schwemmten. Als letzter erhaltener Brunnen dieser Art stand der Fluderbrunnen bis 1971 vor dem heutigen Stadthaus. Er wurde abgetragen und 14 Jahre später im Schillerpark wieder errichtet.

5.2.7 Ehemaliges Zisterzienserkloster Viktring
1843 Abtragung der westlichen Kirchenhälfte durch Domenico Venchiarutti.

5.2.8 Herrengasse Nr. 14
Die noble Biedermeierfassade von 1839 stammt vermutlich von Domenico Venchiarutti; dieses Haus war ursprünglich das gräfliche Palais Christalnig (Reclams Kunstführer Österreich 1974, 331). Empiredekor findet man nur auf den Schauseiten (West/Süd). Die Erdgeschosszone wird durch waagrechte Fugen gegliedert. Das dreiteilige Portal im Süden wird durch hervortretende Pfeiler betont. Der Balkon mit dem noblen klassizistischen Gitter nimmt die gesamte Breite des Portals ein
und wird von Steinkonsolen getragen. Der Mittelrisalit wird durch vier kannelierte Pilaster mit kräftigen ionischen Kapitellen hervorgehoben. Der Übergang zwischen den oberen Geschossen ist mit Palmettenfries geschmückt (Dehio Kärnten 1981,
288). Die Fenster sind von einfachen Putzrahmen umgeben; das Hauptgesims zeigt sich stark verkröpft (Siegfried Hartwagner 1980, 124)

5.2.9 Villacherstraße Nr. 4 und Nr. 6
Diese Biedermeierhäuser sind zwischen 1829 und 1838 von Domenico Venchiarutti erbaut worden (Reclams Kunstführer Österreich 1974, 331).
Nr. 4 ist um 1840 entstanden. Es weist ein rustifiziertes Erdgeschoss, Eckarmierungen, Dreieck giebel über den Fenstern
des Hauptgeschosses und im zweiten Geschoss gerade Stürzen auf (Siegfried Hartwagner 1980, 231).
Nr. 6 wurde um 1840 errichtet, auffallend ist hier das Fries mit den laufenden Hunden (Dehio Kärnten 1981, 294). 1829 hatte Venchiarutti den Baugrund bereits  gekauft. Er entwarf eine elegante Fassade im Spätempirestil. Die Fugen im Erdgeschoss laufen waagrecht und greifen auf den breiten, pfeilartig vortretenden Portalrahmen über. Sie tragen auch die gekoppelten Kragsteine, auf dem ein Balkon mit schönen, klassizistischen, schmiedeeisernen Gittern ruht. In beiden Obergeschossen
fällt der leicht zurückweichende Mittelteil auf, der nur mit einem Balkon mit einfacheren Gittern bestückt ist. Die Putzbänder
um die Fenster sind typisch für Venchiarutti (Siegfried Hartwagner 1980, 231).

5.2.10 Villacherstraße Nr. 8
Dieser dreigeschossige Bau (um 1830) zeigt eine leicht vertiefte Mittelpartie mit einem rundbogigen rustifizierten Portal, über dem sich ein - nicht das ganze Mittelfeld überragender - Balkon befindet. Die Fenster des Hauptgeschosses sind mit Drei-eckgiebeln versehen. Auf dem Erdgeschossgesims sind in Putz geformte Parapete angebracht. Über und unter je einem Fenstern zu Seiten der Mittelachse ist ein gegossener pseudobarocker Stuckdekor. Die Mitte des Gebäudes wird zusätzlich durch kannelierte Pilaster mit ionischen Kapitellen hervorgehoben. Das Traufgesims wird durch ein Mäanderband gesäumt, das über die ganze Front läuft (Siegfried Hartwagner 1980, 233).

5.2.11 Villacher Ring Nr. 11 und Nr. 31
Bemerkenswerte Biedermeierhäuser ihrer Maßverhältnisse und ihrer Zierart wegen, erbaut von Domenico Venchiarutti
(Reclams Kunstführer Österreich 1974, 331); Haus Nr. 11, mit seiner Spätempirefassade, wurde um 1830 errichtet. Der Mittelrisalit wird durch Bänder hervorgehoben und zusätzlich durch von Konsolen getragenem Balkon, Eckarmierungen, waagrechten Bändern gegliedert. Über den Fenstern des Hauptgeschosses sind Dreieckgiebel angebracht (Siegfried
Hartwagner 1980, 230). Der Klassizistische Turm Nr. 31 wurde 1842 errichtet, hier ist der Mittelrisalit dreiachsig gekrönt
von einem Dreiecksgiebel (Dehio Kärnten 1981, 293).

5.2.12 Heuplatz – Wiener Gasse Nr. 8
Dieser dreigeschossige Bau mit einer neun Fensterachsen langen Fassade wurde 1843 von Venchiarutti errichtet. Die
Betonung der äußeren Fensterachsen erfolgt durch Pilaster und bei den drei mittleren Fenstern des ersten Geschosses
durch Giebel und mit Ornamenten geschmückte Parapete (Siegfried Hartwagner 1980, 126).

5.3 Schloss Mageregg
Es wurde 1590 als Wasserschloss erbaut (Anneliese Keilhauer, 1988, 37), …, 1841 vom Tuchfabrikanten Thomas Ritter von Moro erworben. Moro lies es vom Baumeister Rudolfi (Vöklermarkt) umbauen und nach dessen Tod die Fassade von Venchiarutti mit „romantischem Schmuck“ gestalten. Das Schloss hat 2 ½ Geschosse und vier Ecktürme, wovon die zwei nördlichen auf quadratischem und die zwei südlichen auf rundem Grundriss stehen. Die Hauptschauseite ist nach Süden gerichtet. Über dem Portal in der Mitte - das durch zwei Strebepfeiler hervorgehoben ist - sind  zwei zusammengefasste
Fenster mit einem Dreiecksgiebel mit Uhr darüber angebracht. Putzbänder machen die Geschosse ersichtlich. Das Erd- und Obergeschoss ist durch doppelte Putzbänder getrennt, zwischen ersten Stock und Zwerggeschoss findet sich eine dezente Stuckzier. Die Fenster des Hauptgeschosses tragen eine bogenförmige Haube; im Zwerggeschoss an den Rund-
türmen sind sie hingegen vierpassförmig angebracht (Siegfried Hartwagner 1980, 155f).

6. ABBILDUNGEN

(KÄRNTEN)

Schloss Mageregg, Ansicht vom Südwesten (Siegfried Hartwagner 1980, 156)

Fotos von Franz Pockstaller:

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6.1 Beethovenstrasse 14, Klagenfurt, Bildnachweis: http://commons.wikimedia.org/wiki/Domenico_Venchiarutti (Zugriff am 15.5.2010)

6.2 Villacherstrasse 6, Klagenfurt – Detail, Bildnachweis: http://commons.wikimedia.org/wiki/Domenico_Venchiarutti (Zugriff am 15.5.2010)

6.3 Fluderbrunnen, Klagenfurt, Bildnachweis: http://commons.wikimedia.org/wiki/Domenico_Venchiarutti (Zugriff am 15.5.2010)

6.4 Herrengasse 14, Klagenfurt, Bildnachweis: http://commons.wikimedia.org/wiki/Domenico_Venchiarutti (Zugriff am 15.5.2010)

6.5 Heuplatz, Klagenfurt, Bildnachweis: http://commons.wikimedia.org/wiki/Domenico_Venchiarutti (Zugriff am 15.5.2010)

6.6 Marienkapelle, Hermagor, Bildnachweis: http://www.kath-kirche-kaernten.at/pages/pfarre.asp?id=976 (Zugriff am 15.5.2010)

6.7 Obeliskenbrunnen, Klagenfurt, Bildnachweis: http://commons.wikimedia.org/wiki/Domenico_Venchiarutti (Zugriff am 15.5.2010)

6.8 Richard Wagner Str. 20, Klagenfurt - Innenhof, Bildnachweis: http://commons.wikimedia.org/wiki/Domenico_Venchiarutti (Zugriff am 15.5.2010)

6.9 Richard Wagner Str. 20, Klagenfurt - Westansicht, Bildnachweis: http://commons.wikimedia.org/wiki/Domenico_Venchiarutti (Zugriff am 15.5.2010)

6.10 Schloss Lerchenhof, Hermagor, Bildnachweis: http://www.lerchenhof.at/ (Zugriff am 15.5.2010)

6.11 Schloss Maregg, Klagenfurt, Bildnachweis: http://www.lerchenhof.at/ (Zugriff am 15.5.2010)

6.12 Villacher Ring 11, Klagenfurt, Bildnachweis: http://commons.wikimedia.org/wiki/Domenico_Venchiarutti (Zugriff am 15.5.2010)

6.13 Villacher Ring 31, Klagenfurt, Bildnachweis: http://commons.wikimedia.org/wiki/Domenico_Venchiarutti (Zugriff am 15.5.2010)


 
7. BIBLIOGRAPHIE

Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs, Kärnten, Verlag Anton Schroll & Co, Wien, 2001.
Wikipedia: Freie Enzyklopädie im Internet Klagenfurt.at - Homepage von Klagenfurt

Ernst Bacher, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten (Dehio Kärnten), Wien ²1981.
Siegfried Hartwagner, Klagenfurt – Stadt. Ihre Kunstwerke, historischen Lebens- und Siedlungsformen, Salzburg 1980.
Anneliese Keilhauer, Kärnten. Artemis – Cicerone Kunst- und Reiseführer, München und Zürich 1988.
Herbert Schindler, Barockreisen in den Alpenländern Österreichs, Passau ²1973.
Held, Heinz. DuMont Kunst-Reiseführer. Kärnten und Steiermark. DuMont Buchverlag, Köln 1981. S. 249f.

Russwurm-Biró, Gabrielle et al. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Dritte, erweiterte und verbesserte Auflage,
Verlag Anton Schroll & Co, Wien 2001. S. 294f.

sowie

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DEHIO-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs, Kärnten, Verlag Anton Schroll & Co, Wien, 2001
Hootz Reinhardt (Hg.), Kunstdenkmäler in Italien, Darmstadt, 1976
NAREDI-RAINER Paul und MADERSBACHER Lukas (Hg.), Kunst in Tirol Band 1, Bozen 2007
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SAUR, Allgemeines Künstlerlexikon, Bio- Bibliographischer Index, Band 10, München/Leipzig 2000
SCHMIDT Rudolf, Österreichisches Künstlerlexikon, Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Band 1, Wien 1980
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http://ovidsp.tx.ovid.com/spa/ovidweb.cgi - Getty Datenbank (Abfragedatum 2009-07-05)

©Maria Mayrl, Februar 2006 - ergänzt durch Maria Theresia Hofmann, 2007 und druch Alexandra Ruth, Juli 2007; Fotos ergänzt von Franz Pockstaller, Mai 2010

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